Wissenschaft und Forschung

Balingen

Würmer, Bäume, Tintenkiller: Landeswettbewerb von "Schüler experimentieren"

Wie wirkt sich Urin auf mikroskopisch kleine Fadenwürmer aus? Wie viel Wasser können sich Nadelbäume aus Nebel herausholen? Und gibt es eine umweltfreundliche Alternative zu Tintenkillern? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich Schüler aus ganz Baden-Württemberg befasst. 96 von ihnen nahmen in Balingen am Landeswettbewerb von „Schüler experimentieren“ teil. Das ist die Junior-Kategorie von „Jugend forscht“. Die Teilnehmer dürfen nicht älter als 15 Jahre sein. Am Freitag hatte die Öffentlichkeit Gelegenheit, sich die Forschungsergebnisse des wissenschaftlichen Nachwuchses anzuschauen.

Forschen und experimentieren mit wissenschaftlichen Methoden – ganz so wie die Großen. In der Volksbankmesse in Balingen sind die besten Junior-Forscher aus Baden-Württemberg zusammen gekommen. Jeder von ihnen ist bereits ein Sieger, denn um hier dabei sein zu können, muss man bereits einen der elf Regionalwettbewerbe gewonnen haben.

"Es gibt regional eine Vorauswahl", sagte Landeswettbewerbsleiterin Lisa Hasenmaier. "Wenn jemand nicht in die Kriterien passt, dann darf er nicht teilnehmen, es gibt also ganz klare Statuten, die man einhalten muss, aber ansonsten nehmen da erst mal alle teil, die sich anmelden, wenn sie innerhalb der Statuten sind, und darunter werden dann die Sieger ermittelt, und hier jetzt wieder die Sieger."

Wichtig ist, dass die Schüler wissenschaftlich arbeiten. Damit dies geschieht, hat jedes Team auch einen erwachsenen Betreuer. Doch Idee, Aufgabenstellung und Versuchsaufbau erarbeiten sich die Schüler selbst. "Denen fällt irgendwas auf, was sie interessiert, und dann forschen sie", so Hasenmaier. "Und dann ist eben wichtig, dass sie das nicht nur spielerisch machen sondern wissenschaftlich aufarbeiten, viele Versuche machen undsoweiter."

Die Stadt Balingen ist schon seit einigen Jahren regelmäßig Ausrichterin des Wettbewerbs – Veranstaltungsort ist die Volksbankmesse. "Von der Organisatorin des Wettbewerbs „Jugend forscht", von Dr. Marianne Rädle, die in Balingen am Gymnasium seit vielen Jahren unterrichtet, wurden wir im Jahr 2009 ca. angefragt, ob die Stadt Balingen sich vorstellen könnte, diesen Wettbewerb dauerhaft als Landesentscheid auszurichten", sagte Harry Jenter von der Stadt Balingen.

 

Umweltfreundliche Alternative zum Tintenkiller

Aus Balingen kommt auch Erika Kozhuharova. Die Zwölfjährige war auf der Suche nach einer umweltfreundlicheren Alternative zum Tintenkiller. "Ich war in der vierten Klasse und habe so einen Chemie-Kurs besucht", berichtet sie. "Ich habe mich schon damals für Tintenkiller und Umweltschutz interessiert, und deshalb ich auch den Lehrer gefragt, ob und wie man einen umweltfreundlichen Tintenkiller herstellen könnte, der hat leider gesagt, das ist ein bisschen schwer noch, und dann, als ich ein Projekt für "Jugend forscht" gesucht habe, ist mir dieser Tag in Erinnerung gefallen."

Ihre Testreihe mit Lamy- und Pelikan-Schulfüllern ergab: Am besten eignet sich Wasserstoffperoxid-Lösung. Für ihren Wettbewerbsbeitrag erhielt die Balingerin einen Buchpreis.

 

Nadelbäume im Nebel

Den ersten Preis in der Kategorie Biologie gab es für Anton Jellinek und Sinan Baskur. Die beiden Konstanzer stellten sich die Frage, welcher Nadelbaum am besten im Nebel Wasser durch die Nadeln aufnehmen kann und woran das liegt.

"Dazu haben wir diese Nadeln unter dem Binokular und dem Mikroskop untersucht und eben so feine Strukturen entdeckt, und an diesen kann der Nebel kondensieren, und die Oberfläche wird größer", erklärt Anton Jelinek, Schüler des Heinrich-Suso-Gymnasiums.

Die Kanarische Kiefer kann übrigens am besten Wasser aus dem Nebel filtern. Und als Landessieger in ihrer Kategorie gab es für die beiden hundertfünfzig Euro.

 

Wie reagieren Fadenwürmer auf Urin?

Mit mirkoskopisch kleinen Würmern, sogenannten Nematoden, beschäftigte sich ein Team aus Reutlingen und Tübingen. Die Fadenwürmer finden sich nahezu überall im Erdboden. Die Fragestellung: Wie reagieren die Winzlinge auf Urin?

"Am Max-Planck-Institut gab es einen Tag der offenen Tür, und da hat mein Hund einen Baum markiert, und da ist auch Urin auf die Erde gekommen, und da haben wir gedacht, ob es die Nematoden stört", sagte Urs Streit, Schüler am Tübinger Kepler-Gymnasium.

Die beiden Nachwuchs-Forscher untersuchten es im im Labor und im Garten. Und gelangten so zu einem Ergebnis: "Das einzige, was sie besonders anziehen würde, wäre alter, zerfallender Urin und was den Rest angeht, das ist denen eigentlich relativ egal", sagt Anja Otte, Schülerin am Isolde-Kurz-Gymnasium in Reutlingen.

Wer den Landeswettbewerb gewonnen hat, hat übrigens schon die höchste Kategorie erreicht. Denn einen Bundeswettbewerb gibt es nicht.

(Freitag, 12.05.23 - 15:38 Uhr   -   2623 mal angesehen)

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