Wissenschaft und Forschung

Rottenburg

Vom Aussterben bedroht - Rebhuhn verschwindet aus Baden-Württemberg

Haben Sie dieses Jahr schon ein Rebhuhn gesehen? Vermutlich nicht, denn: Die Vogelart ist vom Aussterben bedroht. Gab es im Landkreis Tübingen 1980 noch 300 Rebhuhnreviere, waren es 2005 nur noch 70, 2015 dann lediglich 33. Daraufhin gründete ein Team bestehend aus dem NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen, dem Verein VIELFALT, der Initiative Artenvielfalt Neckartal und dem Landratsamt Tübingen ein Schutzprojekt.

Rund 30cm groß und 300 bis 500 Gramm schwer wird ein Rebhuhn. Es hat einen rostbraunen Kopf und ein braungraues Gefieder. Um den Bestand der Tierart in Baden-Württemberg zu erhalten, brauche es vor allem mehr Lebensräume und eine bessere Vernetzung der Akteure. Deshalb trafen sich diese zu einer Fachtagung in Rottenburg, nicht zuletzt um auch einen Austausch mit der Politik bieten. Laut Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, biete die Tagung eine Grundlage für den Austausch zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung, denn man müsse dringend etwas unternehmen bevor das Rebhuhn ausstirbt.

Die Ursachen für das Aussterben des Rebhuhns in Baden-Württemberg lassen sich dabei auf drei Faktoren herunterbrechen. Sie haben nicht genügend zu fressen, ihr Lebensraum geht immer weiter zurück und dadurch werden sie anfälliger für ihre natürlichen Feinde. Um diesen Faktoren entgegenzuwirken, müsse die Art und Weise in der Landwirtschaft betrieben wird vielfältiger werden, so Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender von Baden-Württemberg. Durch die immer intensiver werden Landwirtschaft seien Kleinstrukturen wie Feldraine, Hecken aber auch im besonderen Blühflächen immer weniger geworden. Dem müsse man entgegensteuern, auch indem man die Landwirt entschädigt und honoriert um solche Strukturen erneut anzulegen, so Enssle weiter.

Teil der Fachtagung war auch eine Exkursion, auf der bereits vorhandenen Blüh- und Brachflächen besichtigt wurden. Diese seien im Moment aber häufig noch 1-jährige Brachflächen, welche sowohl für das Rebhuhn als auch für viele andere Tiere und Insekten keinen Wert hätten, da diese längerfristigen Lebensraum benötigen. Mit der sogenannten „Göttinger Methode" legt man im Landkreis Flächen an, die mindestens 20 Meter breit sein sollten. Kolja Schümann, der Geschäftsführer des Vereins VIELFALT erklärt weiter, dass man auf diesen Flächen dann nach einem Jahr die Hälfte umbricht, damit im kommenden Frühjahr offenere Strukturen entstehen, die das Rebhuhn benötigt. Dies würde nicht nur den Rebhühnern zugute kommen sondern auch anderen Tieren und den Insekten, die diesen wiederum als Nahrung dienen und das überleben ermöglichen.

Trotz der seit 2015 getätigten Maßnahmen sind die Rebhuhnreviere im Vergleich zum letzten Jahr wieder gesunken. Laut Kolja Schümann sehen die Flächen aber gut aus. Man befinde sich auf dem richtigen Weg und hoffe das es so für das Rebhuhn in der Zukunft wieder bergauf gehen kann.

(Samstag, 30.11.19 - 00:42 Uhr   -   795 mal angesehen)

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