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Tübingen

Out of Europe: Der Ursprung des Menschen liegt möglicherweise auf dem Balkan

Die Wiege der Menschheit liegt in Afrika. So lernt es jedes Kind in der Schule. Nur: Das könnte falsch sein. Zwar ist unsere Art Homo sapiens, der moderne Mensch, unbestritten in Afrika entstanden, doch hier geht es um die Frage, wann und wo sich die Vorfahren der Menschen von denen der Schimpansen getrennt haben. Ein internationales Forscherteam um Madeleine Böhme vom Senckenberg Centre an der Uni Tübingen kommt zu dem Schluss: Der älteste bekannte Vormensch lebte in Europa, genauer gesagt, genau dort, wo heute die Stadt Athen liegt.

Zwei Affen in einer Savannenlandschaft bevölkert von Elefanten, Gazellen, Giraffen und Zebras. Im Hintergrund der unbebaute Akropolis-Berg. So stellt Velizar Simeonovski Athen vor 7,2 Millionen Jahren dar – basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Nur die beiden Affen im Vordergrund sind der Phantasie des Künstlers entsprungen.
 
El Greco, der Grieche, wird der älteste bekannte Vorfahr der heutigen Menschen genannt.  Er lebte unweit der Akropolis. Ungefähr gleich alt ist ein Zahn der selben Art, den Forscher in Bulgarien gefunden hatten. El Greco trage Merkmale von Menschen im Sinne von Homini, sagte Prof. Madeleine Böhme. Mit diesem Begriff werden alle Vorfahren des Menschen seit der Trennung von den Schimpansen zusammengefasst. Dazu gehören die Angehörigen der Gattung Homo (Homo erectus, Neandertaler etc.) ebenso wie Vormenschen, beispielsweise Australopithecus.
 
Vor allem die Zähne unterscheiden die Homini von den Affen. Letztere auch bei den Vorbackenzähnen zwei oder drei Zahnwurzeln, bei Menschen und Vormenschen ist es nur eine.

Die Forscher hatten die Fossilien in Staubablagerungen gefunden. Staub aus der Sahara. "Die älteste Sahara ist damit definiert worden", sagte Böhme. "Bisher wusste man nicht, dass es diese gibt, und wir können sie datieren, dass sie vor 7,4 Millionen Jahren begann, sich zu entwickeln und bei 7,18 Millionen Jahren eine Wüste war."
 
Die sich bildende Wüste Sahara und mit ihr die Arabische Wüste - denn die Bildung einer Sahara geht aus klimatologischen Gründen immer parallel mit der Bildung einer Arabischen Wüste - hat nach der Theorie des internationalen Forscherteams die gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse voneinander getrennt, so dass ein genetischer Austausch nicht mehr möglich war. Hieße in der Konsequenz: Die Vormenschen hätten sich in Europa entwickelt, die Schimpansen in Afrika.

Die Vorfahren der Menschen lebten damals in einer staubigen Savannenlandschaft mit hohem Salzanteil. Die salzigen Böden bedeuteten einen hohen Stress für die Vegetation, so Madeleine Böhme.
 
Nach diesen neuesten Erkenntnissen haben sich die Linien zwischen Menschen und Schimpansen mehrere hunderttausend Jahre früher voneinander getrennt als bislang angenommen. Die Fossilien des letzten gemeinsamen Vorfahren werden jetzt im Wüstensand des Nahen Ostens oder Nordafrikas vermutet, beispielsweise im Irak.

(Montag, 17.07.17 - 15:00 Uhr   -   1272 mal angesehen)

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