Wissenschaft und Forschung

Metzingen

Aufbruch: Wie Hugo Boss den Anzug neu erfinden will

Mehr Qualität, mehr Nachhaltigkeit: So will der neue Hugo-Boss-Chef Daniel Grieder den Anzug neu erfinden, den Umsatz verdoppeln und die Modebranche revolutionieren.
Hugo Boss CEO Daniel Grieder

Seit einem guten halben Jahr ist Daniel Grieder neuer Chef von Hugo Boss, Ende Januar hat der Konzern seine neue Kampagne vorgestellt, mit der das Unternehmen die Marken BOSS und HUGO neu definieren will. Wenn Grieder in Schweizerdeutsch skizziert, wo er mit dem Konzern hin will, wirkt er mitreißend. Er will Fans, nicht nur Kunden: "Die Brand wieder so sexy machen, dass der Endkonsument wieder ein Fan davon wird." Grieder will den Umsatz verdoppeln. Außerdem soll der Konzern, aber auch die gesamte Modebranche, nachhaltiger werden. Hier forscht Hugo Boss an einer Revolution: Ein Ersatz für das viel verwendete Polyester.

"Alles da, müssen es nur reaktivieren"

Von Tommy Hilfiger war Daniel Grieder im Sommer 2021 nach Metzingen gekommen - nach einem Jahr Pause, wegen der Wettbewerbssperre. Von Amsterdam aus hatte er erst das europäische, dann das weltweite Geschäft von Hilfiger geleitet. "Mir haben sie auch gesagt, bist du verrückt, von Amsterdam und Zürich nach Metzingen", berichtet Grieder im OMR-Pocast. "Aber ich finds hier schön, ich finds gut, die Leute sind nett, mir gefällt das."

Vor allem aber seien bei Hugo Boss "tolle Leute, die sind hungrig, was Neues zu machen", lobt Grieder im Podcast-Interview. "Es ist alles da, aber es wurde wenig genutzt. Ich fühle mich manchmal wie in einem Spielwarenshop. Es ist alles da, man muss es nur aktivieren, man muss es entstauben. Wir müssen es nicht neu erfinden, es ist da, wir müssen es nur reaktivieren."

 

HUGO Testimonial Big MatthewHUGO Testimonial Big Matthew

Den Anzug neu erfinden

"Product ist King", betont Daniel Grieder. Seine Überzeugung: Das Produkt muss stimmen, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis haben und eine Geschichte erzählen. Hugo Boss habe seit seinem Amtsantritt sehr viel ins Produkt investiert. Andere Stoffe, bessere Stoffe.

"Im Anzug arbeiten gehen, das ist eigentlich unbequem", leitet Grieder ein, um dann zu seiner Vision zu kommen: "Wir glauben, dass die Zeit von Anzügen nicht vorbei ist. Der wird nur neu definiert. Der ist mehr performance-driven", quasi ein unverwüstlicher Begleiter in allen Lebenslagen: wasserabweisend, faltenfrei. "Das ist ein Anzug, in dem du dich rundum wohl fühlst, mit dem du auch ins Flugzeug steigen kannst, in New York aussteigst und du siehst perfekt aus." Grieder will aber auch die anderen Produktgruppen neben den Anzügen stärken - für Damen und für Herren.

"Marke wieder relevant machen"

Auch an der Marke Hugo Boss arbeitet der Konzern. Das Logo wurde überarbeitet, modernisiert. "Eine Marke muss den Endkonsumenten binden", erklärt Grieder im OMR-Podcast. "Das kann man nur, wenn man die Marke relevant macht."

BOSS Testimonial Kendall JennerBOSS Testimonial Kendall Jenner

Der Konzernchef setzt auf zwei Brands: BOSS und - für die jüngere "Generation Z" - das etwas rebellischere HUGO.

Um zu definieren, wer "ein echter Boss" ist, ein "moderner Boss", hat sich der Konzern eine ganze Reihe so genannter Testimonials an die Seite geholt: Bekannte, aber auch weniger bekannte Persönlichkeiten - hauptsache, sie haben eine Geschichte, eine Botschaft.

"Wir sind alle keine Heiligen"

Hugo Boss soll sich nach dem Willen des neuen Chefs auch mehr mit Nachhaltigkeit befassen. "Die Textilindustrie produziert zu viel Abfall. Wir sind alle keine Heiligen", räumt Grieder ein. Den Abfall will er einerseits mit umfangreicher Datenanalyse reduzieren: Was wird wann verkauft, wieviel wird gebraucht.

Forschung an Polyester-Alternative

Vor allem aber will Hugo Boss das in der Modebranche viel verwendete Polyester ersetzen. "Was ist Polyester?", fragt Griebel, um die Antwort gleich hinterher zu liefern: "Das ist Plastik. Wo endet das, wenn du deinen Pullover wäschst? Es endet im Wasser. Wenn wir so weiter machen, wie wir bis jetzt weiter machen, dann ist 2050 mehr Plastik in den Gewässern als Fische."

Der Konzern forscht an einer Alternative zu Polyester und ist laut Griebel "ziemlich nah an einer neuen Faser, die wir nehmen können statt Polyester". Und sollte das gelingen, so Griebel, dann wolle er die Entdeckung nicht nur für Hugo Boss behalten, "sondern dann bin ich froh, wenn die ganze Branche profitiert".

(Samstag, 05.02.22 - 15:03 Uhr   -   1633 mal angesehen)

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