Wissenschaft und Forschung

Tübingen

Kampf gegen den Krebs: M3 Forschungszentrum will neue Therapien entwickeln

In unseren Körpern wimmelt es nur so von Leben. Jeder Mensch ist Lebensraum für Milliarden von Kleinstlebewesen - Bakterien und Pilzen - aber auch Viren. Und sie alle spielen eine Rolle, wenn es zum Beispiel um Gesundheit oder Krankheit geht. Dabei sind die Wechselwirkungen so komplex, dass sie noch lange nicht vollständig geklärt sind. Diese Wechselwirkungen zu erforschen gehört zu den Aufgaben des neuen M3 Forschungszentrums in Tübingen. Der Bau wurde am Montag offiziell seiner Bestimmung übergeben.

M3 – das steht für Malignom, Metabolom und Mikrobiom – also für Krebs, Stoffwechsel und Kleinstlebewesen – und es geht darum, die Wechselwirkungen zwischen den drei M zu erforschen. "Es geht darum zu erfahren, wie beispielsweise Entzündungen im Körper Krebs ermöglichen oder beschleunigen können", sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski.

Und der wissenschaftliche Direktor des M3 Forschungszentrums Mathias Heikenwälder fügte hinzu: "Es gibt eine Vielzahl von Mikrobiomen und auch von Mikroben, allein Bakterien gibt es Hunderttausende von Spezies, und es gibt Bakterien, von denen man schon weiß, dass sie die Wahrscheinlichkeit einer Krebsentstehung erhöhen."

Und all diese Bakterien sollen hier erforscht werden - in Großraumlaboren. Denn die Wissenschaftler sollen nicht für sich im stillen Kämmerlein forschen. Sondern zusammen-arbeiten, miteinander ins Gespräch kommen. Und das über Forschungsrichtungen und sogar Disziplinen hinweg. "Das ist alles ineinander verwoben", sagt Heikenwälder.

Neben Medizinern und Biologen sind auch Bioinformatiker und KI-Spezialisten hier unter einem Dach versammelt. Gemeinsam rücken sie den Krebs zu Leibe. Denn immerhin werde jeder zweite Mann und fast jede zweite Frau in ihrem Leben von Krebs betroffen, sagt der ärztliche Direktor Nisar Malek.

"Als junger Mensch hat man ein nicht so großes Risiko, und als älterer hat man eben ein immer größer werdendes Risiko", so der Ärztliche Direktor Prof. Nisar Malek. "Wir wissen, dass wir für viele Tumorerkrankungen bereits sehr effizient behandeln können, aber viele eben auch noch nicht. Und das, was M3 jetzt machen wird, ist, genau diese Lücke versuchen zu schließen, indem wir eben neue Ansätze für effizientere Tumorbehandlung identifizieren."

Im neuen M3 Forschungszentrum werden aber auch Mäuse untergebracht sein. Denn in der Grundlagenforschung könnten Tierversuche noch nicht ersetzt werden, sagt Dekan Bernd Pichler. "Andere Universitäten gehen den Weg, dass sie diese Forschung nach China, ins Ausland auslagern. Unter Bedingungen, die aus meiner Sicht ethisch fragwürdig sind, ich bin dafür, die Forschung hier zu machen, die ethische Hürde hochzustellen."

Der Neubau kostete 45 Millionen Euro. Dabei kommen 21 Millionen vom Bund. Der Rest wurde je zur Hälfte von der Medizinischen Fakultät Tübingen und aus Baumitteln des Landes Baden-Württemberg getragen.

(Montag, 03.07.23 - 16:56 Uhr   -   2256 mal angesehen)

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