Wissenschaft und Forschung

Stuttgart/Tübingen

Bundesweit einzigartige Forschungsstelle Rechtsextremismus an Uni Tübingen

Die vom Land Baden-Württemberg geplante Forschungsstelle Rechtsextremismus kommt an die Universität Tübingen. Das gaben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski am Dienstag-Mittag in Stuttgart bekannt. Drei Universitäten im ganzen Land hatten sich beworben und ihre Konzepte vorgelegt. Eine Kommission von Fachleuten aus dem Bundesgebiet außerhalb Baden-Württembergs hatte sich dann für Tübingen entschieden. Die Forschungsstelle ist laut Landesregierung bundesweit einmalig.

Ein Samstag-Abend in Reutlingen. Schon seit Jahren demonstrieren hier Gegner der Corona-Maßnahmen. Bei weitem nicht alle, die hier mitmarschieren, sind im rechtsextremen Spektrum zu verorten. Aber nachweislich waren hier schon Rechtsextreme mit marschiert, um die Demonstration für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

"Ich denke, wir alle haben ja in den letzten Jahren, unter anderem während der Pandemie gesehen, wie in dieser sehr emotionalen Situation unter anderem Rechtsextremisten auch versucht haben, Bürgerinnen und Bürger zu radikalisieren", sagte Wissenschaftsministerin Petra Olschowski.

Auf solchen Veranstaltungen kann Rechtsextremismus anfangen. Dass er tödlich enden kann, zeigte der rechtsextremistische Anschlag von Hanau. Am 19. Februar 2020 hatte dort ein Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. "Der Rechtsextremismus ist einfach eine sehr große Bedrohung der demokratischen Ordnung", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann, "und ich hoffe, dass uns die neue Forschungsstelle Fakten und Zusammenhänge vorlegen kann, die einfach wissenschaftlich grundiert sind und auch fachlich diskutiert und damit wir dem Phänomen besser begegnen können."

Ganz wichtig sind dabei die Fragen nach den Übergängen zwischen der Mitte der Gesellschaft und den rechten Rändern. "Wir müssen Fragen klären: Wie, wo und warum radikalisieren sich Menschen? Wie sehen Strukturen des Rechtsextremismus aus? Wie sind scheinbar fließende Übergänge zwischen den verschiedenen Extremismusarten und -strömungen zu erklären? Welches Gedankengut findet sich zum Beispiel in der Sprache wieder?" so Olschowski.

Um diese Fragen zu klären, sollen an der Uni Tübingen drei neue Professuren geschaffen werden. Das Land finanziert die Forschungsstelle mit 1,2 Millionen Euro pro Jahr. "Ich bin davon überzeugt, dass die Exzellenz-Universität Tübingen ein sehr guter, idealer Standort für diese Forschungsstelle ist", sagte Olschowski. "Mit dieser ersten politikwissenschaftlichen Professur zur Rechtsextremismus-Forschung geht Baden-Württemberg in Deutschland einen neuen Weg."

Bei allen Landtagsfraktionen findet die Forschungsstelle Zustimmung – mit Ausnahme der AfD. Sie sieht die Einrichtung als rein politisches Projekt ohne Wissenschaftlichkeit an. Denn laut Ministerpräsident Kretschmann könnte die AfD selbst zum Forschungsobjekt werden. "Ich meine, generell will man ja herausfinden, warum Menschen sich in diese extreme Richtung bewegen", so Kretschmann. "Und da wird man ja schlecht an der AfD vorbeikommen."

Jetzt soll bereits im April die Aufbauphase mit den ersten Ausschreibungen beginnen. Nach zwei Jahren soll sie dann abgeschlossen sein.

(Dienstag, 07.03.23 - 16:42 Uhr   -   2039 mal angesehen)

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