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Oberengadin

Gletscherschmelze weltweit um 50 Jahre verlangsamen: Projekt MortAlive gestartet

Das Abschmelzen der Gletscher um 50 Jahre verzögern. Gletscher weltweit als wichtige Trinkwasserspeicher erhalten. Das verspricht sich das Gletscherpflegeprojekt MortAlive von einer neuartigen, boden-unabängigen Schneiseil- und Ice-Stupa-Testanlage. Die wurde jetzt im Oberengadin in Betrieb genommen. Lesen Sie hier alles über das neue Projekt:
Gletschereis

Meilenstein in der Gletscherpflege durch Schweizer Innovation

Eines der - nach Angaben des Betreibers -  bedeutendsten Projekte zum Thema Klimawandel und Gletscherschmelze hat einen großen Fortschritt erzielt: Am 11. Februar 2021, wurde die neue Schneiseil- und Ice-Stupa-Testanlage an der Talstation Diavolezza im Oberengadin erstmals in Betrieb genommen. Dr. Felix Keller, Glaziologe und Experte für Schnee und Permafrost, setze damit einen weiteren Meilenstein im Gletscherprojekt MortAlive, heißt es in der Pressemitteilung.  Mit der Anlage könnte demnach nicht nur das Abschmelzen des Morteratschgletschers verlangsamt, sondern auch weltweit die existenzbedrohenden Wasserknappheit in Gebirgsregionen gelindert werden.

"Was tun, wenn der Gletscher, der die Wasserversorgung sichert, zu schnell schmilzt?" heißt es in der Mitteilung:  "Dass das ewige Eis nicht ewig währt, ist ein weltweites Problem." Eine Schweizer Innovation könne schon bald das Abschmelzen der Gletscher um etwa 50 Jahre verlangsamen und weltweit als Lösung gegen die drohende Wasserknappheit in Regionen wie dem Himalayagebirge oder den Anden eingesetzt werden:

"Für mich ist heute ein historischer Moment. Die Schnei- und Ice-Stupa-Testanlage an der Talstation Diavolezza ist in Betrieb und läuft», sagt Glaziologe und Kopf von MortAlive, Felix Keller. Von ihm stammt d demnach die Idee des Schmelzwasserrecyclings. Die erfolgreichen Inbetriebnahme der Testanlage, unterstützt von der Graubündner Kantonalbank, sei für den an der Academia Engiadina tätigen Forscher ein sehr emotionaler Augenblick gewesen.

Ergebnisse der Testanlage sind existenziell

Weiter heißt es in der Presse-Info: "Die Endversion soll schließlich ohne elektrische Energie laufen und wird mit einem höher liegenden See, der sich am Persgletscher bilden wird, verbunden."

Die Hochschule Luzern hat demnach in Zusammenarbeit mit den Firmen Barholet und Bächler Top Track das Schneiseil mit fünf Düsen entwickelt. Denn herkömmliche Beschneiungsanlagen mit Lanzen könnten aufgrund des sich bewegenden Untergrund (Gletscher oder Permafrost) nicht eingesetzt werden.

"Solange Schnee auf dem Eis liegt, ist es geschützt. Denn Schnee reflektiert die einfallende Sonneneinstrahlung und isoliert vor warmen Sommertemperaturen", erklärt Felix Keller. Neben dem Schneiseil entsteht Keller zufolge auch ein sogenannter Ice-Stupa. Ice Stupas wurden im Himalaya-Gebiet in Indien erfunden und kommen bisher nur dort in Ladakh zur Bewässerung im trockenen Frühjahr zum Einsatz. Dort seien laut einer Studie des Wissensmagazins «Nature» 221 Millionen Menschen direkt, und 800 Millionen teilweise, auf Gletscherwasser angewiesen: "Die Ergebnisse der Schnei- und Ice-Stupa-Testanlage könnten für sie existenziell sein."

Nach der Testanlage folgen Pläne auf dem Gletscher

Nun führt eine Forschungsgruppe der Hochschule Luzern während der laufenden Wintersaison regelmäßig verschiedene Tests durch.. "Das Schneiseil ist so zum ersten Mal im Einsatz. Wir müssen beobachten, wie die Düsen sich verhalten, aus denen der Schnee gesprüht wird. Oder ob der Schnee brauchbar ist. Und die größte Herausforderung: wie sich die Mechanik unter diesen Temperaturen verhält", sagt Glaziologe Felix Keller: Das Wasser dürfe in den Leitungen nicht gefrieren.».

Laufe alles nach Plan, könnte schon nächsten Winter eine Anlage auf dem Corvatsch über Permafrostboden installiert werden. Felix Keller und das Team hinter MortAlive sind optimistisch, verrät die Pressemitteilung: «Unsere Kinder und Enkelkinder werden uns nicht fragen, ob wir gesehen haben, was mit den Gletschern passiert, sondern was wir getan oder nicht getan haben."

Im Rahmen des Gletscherpflegesprojekt mit dem Namen  MortAlive wird den Angaben zufolge eine neue, bodenunabhängige Schnei-Technologie entwickelt. Diese Technologie solle es erstmals ermöglichen, Gletscher zu beschneien, um sie als Süßwasserspeicher zu erhalten: "Weltweit hängt die Wasserversorgung von rund 200 Millionen Menschen vom Gletscherschmelzwasser ab. Hier könnte der Einsatz einer bodenunabhängigen Beschneiungsanlage vor existenzbedrohender Wasserknappheit schützen, indem die Gletscher beschneit und somit vor dem Abschmelzen bewahrt werden. Die neue Schneiseil- und Ice-Stupa-Testanlage dient zusammen mit dem neu eröffneten Besucherzentrum als Information und Sensibilisierung für die Folgen der Klimaerwärmung."

Die Schweizer Firma Bartholet ist den Angaben zufolge auf dem Weltmarkt führender Hersteller von Seilbahnsystemen. Die Firma Bächler Top Track hat demnach ein Patent auf das «Nessy ZeroE»-System, das eine stromfreie Schneeproduktion möglich mache. Weitere Forschungspartner sind demnach die Fachhochschule Graubünden, die Hochschule Luzern, die interstaatliche Hochschule für Technik Buchs und St. Gallen (NTB) und die Fachhochschule Nordwestschweiz. Unterstützt wird das Projekt von der Graubündner Kantonalbank.

Quelle: PM

(Dienstag, 25.05.21 - 11:26 Uhr   -   2652 mal angesehen)

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