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Die Corona-Pandemie: Infizierte, Kranke, Gesundete und Tote im Überblick

Wie entwickelt sich die Corona-Pandemie in Deutschland, weltweit und in ausgewählten Ländern? Haben wir genügend Beatmungsbetten in Deutschland, falls sich eine Situation wie in Italien entwickelt? Und: Wie wirkt sich die Bestellung der zusätzlichen 10.000 Beatmungsgeräte durch die Bundesregierung aus? Lesen Sie hier die Antworten:
Corona-Virus

Coronavirus: Kranke, Gesunde, Tote: Wie entwickelt sich die Situation?

Ein Beitrag aus unserer Prometheus TV -Wissenschaftsredaktion: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen ausführlicheren, tiefergehenden Artikel zu einer Frage aus unserem Artikel "Corona: Fragen und Antworten"

Wie entwickelt sich die Corona-Pandemie weltweit und in ausgewählten Ländern? Der Verlauf des Ausbruchs - der seinen Ursprung in China hatte - wurde über mehrere Wochen lang im Januar/Februar 2020 von einem rasanten Anstieg der Infektionen und Todesfälle China dominiert.

Aktuell - Stand 14.03.2020 - gibt es zwei große gegenläufige Tendenzen: In China gehen die Zahlen der Neuinfektionen, daher die Zahlen der "aktuell noch Kranken" und der neuen Todesfälle drastisch zurück. Im Rest der Welt steigen diese umgekehrt drastisch an. Die weltweiten Corona-Zahlen sind ein "Mix" aus  diesen beiden gegenläufigen Entwicklungen.

Gleichzeitig könnte uns der Verlauf in China - mit aller Vorsicht - einen Blick auf den zukünftigen Verlauf im Rest der Welt werfen lassen.

Hier sehen Sie den Verlauf der Erkrankungszahlen der verschiedenen Ländern im Vergleich:

Quelle:OurWorldinData

Nachfolgend haben wir übrigens für jedes Land jeweils zwei Sterberaten ausgerechnet: Ein "weiche Sterberate"* (dabei wird die Zahl der Toten auf alle jemals Infizierten bezogen) und eine "harte bzw. endgültige Sterberate" (dabei wird die Zahl der Toten auf die Zahl der bisher Gesundeten und Gestorbenen bezogen).

*) Der "weichen Sterberate" entspricht übrigens der wissenschaftliche Fachbegriff "case fatality rate (CFR)"

 

Situation Weltweit

Weltweit wurden bisher - Stand 14.03.2020 - rund 154.000 Menschen infiziert. Davon sind derzeit noch rund 74.000 Menschen krank. Etwa 74.000 Menschen wurden wieder gesund. Und rund 5.800 Menschen sind bislang an Corona gestorben.

Damit liegt die Sterblichkeit weltweit bei zwischen 3,8% ("weiche" Sterberate; Tote bezogen auf alle jemals Infizierten) und 7,2% ("harte" Sterberate; Tote bezogen auf Gesundete+Gestorbene).

 

Situation in Deutschland

In Deutschland wurden - Stand 14.03.2020 - rund 5.400 Menschen infiziert. Davon sind aktuell noch rund 4.150 Menschen krank. 46 Menschen sind wieder gesund.

Bislang - Stand 17.03.2020 - sind einem Bericht von n-tv.de zufolge rund 500 Menschen in Deutschland so schwer an Corona erkrankt, dass sie in Krankenhäusern behandelt werden müssen.

14 Menschen sind bislang gestorben.

Damit liegt die Sterblichkeit in Deutschland bei zwischen 0,2% ("weiche" Sterberate; Tote bezogen auf alle jemals Infizierte) und 22 % ("harte" Sterberate; Tote bezogen auf Gesundete+Gestorbene).

 


 

Altersstruktur der Corona-Toten in Deutschland: Soweit bekannt, ist das Alter der bislang in Deutschland verstorbenen 16 Menschen (plus 1 im Ausland) wie folgt:

  • 1 x 59 Jahre (in Ägypten verstorbener Urlauber),
  • 1 x 67 Jahre (BW.1.Rems-Murr), 
  • 1 x 73 Jahre (NRW.3.Heinsberg),
  • 2 x 78 Jahre (NRW.2.Gangelt/Heinsb, NRW.4.Heinsberg),
  • 6 x 80 Jahre (Bayern.3.Neu-Ulm, Bayern.4.Würzburg, BW.2.Kirchheim/ES.,                           BW.4.Heilbronn,NRW.9.Aachen, NRW.10.Eschweiler/Würselen; NRW.11.Aachen),
  • 2 x 81 Jahre (NRW.6.Düsseldorf?, NRW..Heinsberg)
  • 1 x 83 Jahre (Bayern.1.Würzburg)
  • 2 x 84 Jahre (BW.3.Göppingen, NRW.5.Gangelt/Heinsb)
  • 1 x 86 Jahre (Bayern.2.Kempten),
  • 1 x 89 Jahre (NRW.1.Essen)
  • 1 x 94 Jahre (NRW..Heinsberg)
  • 1 x ?? Jahre (NRW..Heinsberg, )

Quelle: Eigene Recherche und Berechnungen, Medienauswertungen

Legende: "2 x 80 Jahre (Bayern.3.Neu-Ulm, BW.2.Kirchheim)" ist zu lesen als: Im Alter von 80 Jahren sind 2 Menschen verstorben. Einer davon in Neu Ulm ist der dritte Tote in Bayern. Einer davon in Kirchheim ist der  2. Tote in Baden-Württemberg).

 


 

Situation in China

In China ist - etwa drei Monate nach dem Beginn - die Epidemie offenbar unter Kontrolle - glaubt man den offiziellen Zahlen:

Aktuell - Stand 15.03.2020 -  haben sich in China bisher insgesamt rund 81.000 Menschen mit Corona infiziert. Davon sind bisher rund 68.000 Menschen wieder gesundet, 13.000 Menschen sind noch krank und 3.200 Menschen sind gestorben.

Daraus ergibt sich für China eine Sterblichkeit von zwischen 3,95% ("weiche" Sterberate; Tote bezogen auf alle jemals Infizierte) und 4,5 % ("harte" Sterberate; Tote bezogen auf Gesundete+Gestorbene).

An diesem Beispiel ist gut ersichtlich: Gegen Ende der Epidemie nähern sich die "weiche" Sterberate und die "harte Sterberate" einander an.

 

Die tagesaktuellen Zahlen

Die ganz aktuellen Zahlen finden Sie z.B. hier:

 

Frage: Wie ist die Situation in Italien

In Italien - Stand 14.03.2020 - haben sich bislang 21.152 Menschen infiziert. Davon sind rund 17.700 noch krank, und von den Kranken liegen 1.518 Menschen auf der Intensivstation. Bisher sind 1.966 Menschen wieder gesundet. Bislang gibt es 1.441 Tote.

Die Sterberate in Italien liegt bei zwischen 6,8% ("weiche" Sterberate; Tote bezogen auf alle jemals Infizierte) und 42,3% ("harte" Sterberate; Tote bezogen auf Gesundete+Gestorbene). Zur Analyse der sehr hohen, "harten Sterberate" siehe weiter unten.

Die "Intensivstation-Zahl" in Italien lässt wichtige Rückschlüsse darauf zu, ob das deutsche Gesundheitssystem ähnlich Fallzahlen verkraften könnte. Die Antwort ist Experten zufolge: Ja:

Frage: Haben wir genügend Beatmungsbetten in Deutschland?

Die deutschen Krankenhäuser haben derzeit insgesamt 28.000 Intensivbetten, davon 25.000 mit Beatmungsgeräten. Davon werden - unterschiedlichen Angaben zufolge - 80% bis 50% für anderweitig Schwerkranke benötigt.

Es verbleiben also rund 5.000 bis 14.500 Intensiv-Beatmungsbetten für schwerkranke Corona-Fälle.

Ein Corona-Intensivpatient belegt ein Intensivbett für eine angenommene Dauer von etwa 7 Tagen (erfahrungsgemäß liegt der Aufenthalt Medizinern zufolge aber eher nur bei 3,5 Tage). Somit könnten täglich rund 700 bis 2.000 schwerkranke Corona-Patienten NEU in die Intensivpflege aufgenommen werden. Bei einer Quote von 5% Schwerkranken - bezogen auf alle Corona-Kranken - würde das deutsche Gesundheitssystem - Stand heute - also 14.000 bis 40.000 TÄGLICHE Corona-Neuerkrankungen verkraften.

Frage: Wie wirkt sich die Bestellung der 10.000 weiteren Beatmungsgeräte auf?

Darüber hinaus hat die Bundesregierung Mitte März 2020 einen Auftrag über die Lieferung von 10.000 weiteren Beatmungsgeräten erteilt. Diese sollen im Laufe des Jahres 2020 ausgeliefert werden. Der Auftrag wird von einer deutschen Medizintechnikfirma ausgeführt, so dass mit keinen Import-Problemen zu rechnen ist.

Unseren Berechnungen zufolge könnte sich diese Maßnahme der Bundesregierung im Verlauf der Corona-Epidemie als ganz entscheidend für die optimale Versorgung und Behandlung schwersterkrankter Corona-Patienten erweisen:

Da in Deutschland bislang rund 50.000 Krankenhauszimmer mit rund 100.000 Krankenhausbetten ungenutzt sind, können mit den jetzt georderten Beatmungsgeräten völlig problemlos 10.000 zusätzliche Intensiv-Beatmungsbetten eingerichtet werden.

Damit erhöht sich die oben berechnete Zahl an Beatmungs-Intensivbetten für schwerkranke Corona-Patienten bis Jahresende 2020 voraussichtlich wie folgt:

Es verbleiben rund 24.500 bis 15.000 Beatmungs-Intensivbetten für schwerkranke Corona-Fälle.

Ein Corona-Intensivpatient belegt ein Intensivbett für eine Dauer von etwa 7 Tagen (erfahrungsgemäß liegt der Aufenthalt Medizinern zufolge eher bei nur 3,5 Tage). Somit könnten täglich rund 2.100 bis 3.500 schwerkranke Corona-Patienten NEU in die Intensivpflege aufgenommen werden. Bei einer Quote von 5% Schwerkranken würde das deutsche Gesundheitssystem - inclusive der Mitte März 2020 neu bestellten Beatmungsgeräte - also 42.000 bis 70.000 TÄGLICHE Corona-Neuerkrankungen verkraften.

Fazit: Das deutsche Gesundheitssystem - auf Basis der o.g. Annahmen und Berechnungen - würde einen "italienischen" Verlauf der Corona-Epidemie verkraften.

 

Frage:  Wie ist der bisherige Verlauf der Pandemie

Stand: 08.03.2020

Aktuell - Stand 14.03.2020 - gibt es zwei große gegenläufige Tendenzen: In China gehen die Zahlen der Neuinfektionen, daher die Zahlen der "aktuell noch Kranken" und der neuen Todesfälle drastisch zurück. Im Rest der Welt steigen diese umgekehrt drastisch an. Die weltweiten Corona-Zahlen sind ein "Mix" aus diesen beiden gegenläufigen Entwicklungen.

Noch Kranke:  Mitte Februar 2020 stieg die Zahl der mit Corona infizierten (und noch kranken) Menschen weltweit auf den Höchststand. Das war etwa 6 Wochen nach der offiziellen Meldung des Corona-Ausbruchs in China. Seither nimmt die Zahl der Menschen, die weltweit mit Corona infiziert sind (daher, die noch krank sind) kontinuierlich ab.

Allerdings ist die Zählweise Chinas nach Angaben von FAZ.net umstritten. Dort heißt es: "So werden nach Medienberichten beispielsweise Personen, die nachweislich infiziert sind, aber keine Symptome der Krankheit zeigen, seit Anfang Februar nicht mehr bei den neu nachgewiesenen Ansteckungen mitgerechnet, sondern anderweitig aufgeführt."

 

Frage: Wie berechnet man die Sterblichkeit?

In der Regel werden zwei Rechenverfahren angewandt, um die Sterblichkeit auszurechnen.

Mangels bestehender Begriffe in der Corona-Berichterstattung hat sich unsere Wissenschaftsredaktion entschieden, für die beiden Methoden die neuen Begriffe "Weiche Sterberate" und "Harte Sterberate" einzuführen und zu verwenden:

  • Methode (A) "Weiche Sterblichkeitsrate: Die Zahl der Verstorbenen, bezogen (geteilt durch) auf die Zahl der insgesamt Erkrankten.
  • Methode (B) "Harte oder endgültige Sterblichkeitsrate: Die Zahl der Verstorbenen bezogen auf (geteilt durch) die zusammengezählte Zahl der endgültig Gesundeten plus der "endgültig" Verstorbenen. (Formel: Verstorbene / (Gesundete+Verstorbene)).

Die von uns oben genannten Sterblichkeits-Zahlen sind nach der Methode B berechnet, da nur diese Zahl unserer Auffassung nach die "endgültigen" Verläufe beinhaltet. Und daher diese "harte Zahl" die "endgültig Gesundeten" mit der Zahl der "im Laufe der Krankheit verstorben" in Beziehung setzt.

Etliche Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass die Sterblichkeitsrate in Wirklichkeit sehr viel geringer als die "harte Sterblichkeitsrate" ist:

Wenn bspw. Menschen, die nur leicht an Corona erkrankt sind, gar nicht als krank erkannt wurden, dann ergibt sich fälschlicherweise eine zu hohe Sterblichkeit, weil die "unerkannt Gesundeten" ja nicht mitgezählt wurden. Und somit die Gestorbenen zu hoch gewichtet werden. Für die Mathematiker: Weil der Nenner im Bruch in der Realität größer sein dürfte und bei der Berechnung zu klein angesetzt ist).

Falls aber Menschen "unbemerkt" an Ciorona sterben, weil nicht alle im Land Verstorbenen post mortem - also nach ihrem Tod - auf Corona getestet werden, würde die Sterblichkeit zu gering berechnet werden. (Für die Mathematiker: Weil bei der Berechnung der Zähler im Bruch in der Realität zu klein angesetzt ist).

Um also eine möglichst realistische Sterblichkeit berechnen zu können, müssen zwei Voraussetzungen  erfüllt sein:

1.) Es muss flächendeckendeCorona-Tests über die gesamte Bevölkerung geben.

2.) Alle Verstorbenen müssen einem Corona-Test unterzogen werden.

In Südkorea, wo flächendecke Sreenings der Bevölkerung durchgeführt werden, und somit offenbar deutlich mehr Corona-Infizierte erkannt werden (als bspw. in China), liegt die Sterblichkeit deutlich unter derjenigen im chineischen Beinahe-Nachbarland. (Ob in Südkorea auch alle Verstorbenen auf Corona getestet werden, ist der Redaktion - Stand 14.03.2020- unbekannt).

In Italien, wo alle Verstorbenen post mortem - also nach dem Tod - auf Corona getestet werden, liegt die Sterblichkeit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. (Soweit die Redaktion bekannt ist, gibt es in Italien derzeit keine flächendeckende Corona-Screenings).

Die ganz aktuellen Zahlen weltweit und für die einzelnen Länder finden Sie bspw. auf den Homepages der John Hopkins Universität, der Internet-Plattform Worldometer oder der Weltgesundheitsorganisation WHO. (Links siehe oben).

Erstveröffentlichung: 15.03.2020

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(Mittwoch, 18.03.20 - 10:35 Uhr   -   76135 mal angesehen)

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