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Antikythera

Weitere Teile des "Mechanismus von Antikythera" gefunden: Astronomische Uhr der Antike

Taucher haben im Meer vor der griechischen Insel Antikythera weitere Teile einer antiken Astronomischen Uhr gefunden, die als "Mechanismus von Antikythera" weltbekannt wurde. Bei dem einzigartigen Mechanismus, vom Prinzip her ein analoger Computer, handelt es sich um eine mit Zahnrädern betriebene, astronomische Uhr: Den bislang einzigen Beleg eines solchen hochpräzisen technischen Gerätes aus der Antike. Deren Existenz war zuvor nicht einmal aus antiken Überlieferungen bekannt.
Mittelmeer bei Griechenland (Egremni)

Der "Mechanismus von Antikythera" wurde bereits im Jahr 1900 von Schwammtauchern in einem zerfallenen antiken Schiffswrack entdeckt. Erst Jahrzehnte später wurde Wissenschaftlern die Bedeutung des völlig zusammengebackenen Fundes bewusst: Es handelt sich um eine astronomische Uhr, die mithilfe von bis zu 70 Zahnrädern die Konstellationen von Himmelskörpern präzise anzeigen konnte. Es ist der bislang einzige Fund einer solchen hochpräzisen Technik aus der Zeit der Antike.

1976 wurde das Schiffswrack nochmals durch den französischen Unterwasserforscher Jacques Cousteau untersucht. Die nächsten fast 40 Jahre blieb das Schiffswrack unberührt. 

Bei einer Nachuntersuchung des Schiffswracks entdeckten Taucher nun offenbar weitere Teile der astronomischen Uhr: Entweder handele es sich dabei um Teile derselben -, oder um Teile einer zweiten astronomischen Uhr.

Das vom griechischen Ministerium für Kultur und Sport verantwortete Projekt unter der Leitung der Direktorin der Abteilung für Unterwasserantiquitäten, Dr. Aggeliki Simossi, hatte im Jahr 2014 eine Erkundungs-Expedition zu der damaligen Fundstelle unternommen. Diese verlief vielversprechend.

Drei Jahre später, 2017, wurde die Fundstelle im Rahmen einer ausgedehnten Unterwasser-Expedition schließlich neu untersucht: "Wir wissen, dass wir den Antikythera-Mechanismus als einen komplexen mechanischen "Computer" zu verstehen haben, der astronomische Phänomene und die Zyklen des Sonnensystems" nachvollzieht", hieß es 2017 auf der homepage des Projektes: "Aber mehr als die Hälfte von ihm fehlt noch, und liegt möglicherweise noch auf dem Meeresgrund nahe der Insel Antikythera Wird die neue Expedition einige der fehlenden Fragemente entdecken?"  

Das war nun offenbar der Fall: Die israelischen Tagezeitung "Haaretz" berichtet in ihrer Online-Ausgabe in einem ausführlichen Artikel über den neuen Fund, eine diskusförmige Scheibe, und die Einordnung des gesamten Fundkomplexes - den Mechanismus von Antikythera und der Schiffsladung des Wracks - in die bislang bekannten Gesamtzusammenhänge.

Allerdings hat das Smithonian-Insititut auf seiner Online-Plattform dieser Interpretation prompt widersprochen: "Nein," titelt das Smithsonian wenige Tage später in seinem Artikel: "Archäologen haben wahrscheinlich kein neues Stück des Antikythera-Mechanismus gefunden!". Nach Einschätzung des Instituts könne man die bei der 2017-Expedition gefundene Disk nicht als Teil des Antikythera-Mechanismus ansprechen. Bestenfalls sei die Disk, die den Röntgenuntersuchungen zufolge ein Bild des Taurus-Stiers trägt, außen an dem Mechanismus angebracht gewesen, ohne jedoch Teil des Mechanismus zu sein.

Das Team des Antikythera-Projektes selbst hält sich bislang bedeckt: Auf der Homepage des Projektes haben die am Projekt beteiligten Wissenschaftler bislang - Stand 18.11.2018 - zu den unterschiedlichen Interpretationen durch Haaretz und Smithsonian keine Stellung genommen.

Das Schiff, in dessen zerfallenem Wrack der Mechanismus im Jahr 1900 gefunden wurde, war - wie etliche andere Schiffe auch - den gefährlichen Meeresbedingungen vor der griechischen Insel Antikythera, die zwischen der Poleponnes und Kreta liegt, zum Opfer gefallen.

Dem Schiffswrack konnten bislang 6 menschliche Skelette, sowie weitere Fundgegenstände zugeordnet werden. Münzen aus dem Schiffswrack konnten auf den Zeitraum zwischen 86 bis 62 vor Christus datiert werden: Aus der Zeit des späten Hellenismus.

Die Ladung des Schiffs birgt zudem ein weiteres Rätsel: Die mit dem Schiff transportierten, griechischen Statuen gehören eigentlich in eine sehr viel frühere Zeitperiode und wurden zum  Zeitpunkt des Untergangs - nach bisheriger Quellenlage - nicht mehr hergestellt.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass zu diesem Zeitpunkt doch noch Bildhauerbetriebe existiert haben müssen, die entsprechende Statuen hergestellt haben. Oder, dass das Schiff eine Ladung von - auch schon aus damaliger Sicht - Antiqutiäten enthalten hat, entweder Beutestücke oder Handelsware. Deren Ziel war dann möglicherweise Rom, wo die Villen begüterter Römer dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend gerne mit solchen alten griechischen Antiquitäten dekoriert wurden.

Sollte Letzteres der Fall gewesen sein, so wäre es denkbar, dass auch der Mechanismus von Antikythera nicht  zur navigatorischen Ausrüstung des untergegangenen Schiffs gehört hat, sondern eine noch wesentlich ältere Antiquität ist. 

Erstveröffentlichung: 17.11.2018 - 16:20 Uhr

Aktueller Stand: 18.11.2018 -22:57 Uhr

Wesentliche inhaltliche Ergänzungen: Stellungnahme des Smithsonian-Institutes zum Fund.

(Sonntag, 18.11.18 - 23:20 Uhr   -   2642 mal angesehen)

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