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Griechenland

Alte DNA enthüllt Herkunft von Minoern und Mykenern - Gemeinsame Vorfahren aus dem neolithischen Westanatolien und Griechenland

04. August 2017. Die minoische Zivilisation und ihr Gegenstück auf dem griechischen Festland, die mykenische Zivilisation, waren Europas erste schriftführenden Gesellschaften und die kulturellen Vorfahren des klassischen Griechenlands. Über die Herkunft der Minoer und ihre Beziehung zu den Mykenern hat die Wissenschaft lange Zeit gerätselt. Eine neue Studie kommt zu dem Ergebnis, dass beide Bevölkerungsgruppen tief in der Ägäis verwurzelt sind. Ihre Vorfahren stammten aus dem neolithischen Westanatolien und Griechenland. Und beide Gruppen sind genetisch sowohl miteinander als auch mit den modernen Griechen eng verwandt.
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Gemeinsame Vorfahren aus dem neolithischen Westanatolien und Griechenland

In der griechischen und europäischen Geschichte nehmen Minoer und Mykener einen bedeutenden Platz ein. Die minoische Kultur (um 2600 bis 1100 vor Christus) mit ihrer Linear-A-Schrift gilt als erste schriftführende Gesellschaft Europas. Die Linear-A-Schrift und die auf Kreta ebenfalls verwendete Hieroglyphenschrift konnten nie entschlüsselt werden, weswegen die Ursprünge der zugrundeliegenden Sprache unbekannt sind. Die beiden Schriftsysteme sind jedoch sicher keine indoeuropäischen Schriften und unterschieden sich deshalb vom frühen Griechisch. Die mykenische Zivilisation (um 1700 bis 1050 vor Christus) hat ihren Ursprung auf dem griechischen Festland und kontrollierte schließlich auch Inseln des Ägäischen Meeres, einschließlich Kreta. Ihre Linear-B-Schrift ist eine Frühform der griechischen Schrift.

Trotz der reichen archäologischen Vergangenheit haben die Ursprünge der Minoer die Wissenschaft lange vor ein Rätsel gestellt. Ihre kulturellen Innovationen, wozu neben dem ersten europäischen Schriftsystem, riesige Palastkomplexe und beeindruckende Kunstwerke zählen, scheinen isoliert auf Kreta entstanden zu sein. Dies gab Anlass zu der Spekulation, die Minoer müssten von einer weiter entwickelten Gesellschaft aus einer anderen Region abstammen und in die Ägäis eingewandert sein. Die Mykener mit ihren Wurzeln auf dem griechischen Festland scheinen viel von der minoischen Technik und Kultur übernommen zu haben. Bisher war jedoch unklar, in welcher Verbindung beide Gruppen zueinander standen.

Vorfahren in Südwestanatolien

Zur Beantwortung dieser Frage hat ein internationales Forschungsteam die genomweiten Daten von 19 Individuen analysiert, darunter Minoer, Mykener, ein vom griechischen Festland stammendes steinzeitliches Individuum sowie bronzezeitliche Individuen aus Südwestanatolien. Durch einen Vergleich dieser Daten mit bereits vorhandenen Daten von fast 3.000 anderen Individuen, sowohl aus früheren Epochen als auch aus der modernen Zeit, konnten die Wissenschaftler die Beziehungen zwischen den Gruppen klären.

So fanden sie heraus, dass die Minoer von den ersten neolithischen Bauern Westanatoliens und der Ägäis abstammten: Bonzezeitliche Minoer, Mykener und ihre anatolischen Nachbarn teilen ihre genetischen Abstammung zum größten Teil mit einer jungsteinzeitlichen Bevölkerungsgruppe Anatoliens. Eine kleinere Komponente stammt von weiter östlich im Kaukasus und im Iran beheimateten Bevölkerungsgruppen. Bisher nahm man an, dass diese östlichen Abstammungslinien durch Hirtenvölker der Steppen aus dem Norden nach Europa gelangten.

Neben der engen Verwandtschaft zwischen Minoern und Mykenern stellten die Wissenschaftler jedoch auch einige spezielle Unterschiede fest. So findet sich bei den Mykenern gemeinsames Erbgut mit nördlichen Steppenvölkern, was bei den Minoer nicht der Fall ist. Dieses Ergebnis zeigt auch, dass die Migration der Steppenhirten aus dem Norden bis auf das griechische Festland führte, aber die Minoer auf Kreta nicht erreichte. „Gerade angesichts der Tatsache, dass das griechische Festland und Kreta in der Bronzezeit kulturell aufs Engste miteinander verwoben waren, erstaunt es doch, dass sich beide Populationen genetisch so klar differenzieren lassen", sagt der Archäologe Philipp Stockhammer von der Ludwig-Maximillians-Universität München.

Moderne Griechen zeigen einige zusätzliche Vermischungen mit anderen Gruppen und eine entsprechende Abnahme der Abstammungsmerkmale von den neolithischen Anatoliern. Zugleich sind sie mit den Mykenern der Bronzezeit eng verwandt. Das lässt vermuten, dass es eine hohe Bevölkerungskontinuität in Griechenland gegeben hat, diese aber nicht isoliert war.

Quelle: Max Planck Gesellschaft

(Mittwoch, 09.08.17 - 07:51 Uhr   -   846 mal angesehen)

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